BSW befragt Senat zur Gasversorgung

Aktuelles
, 25. Februar 2026

Die Landesvorsitzenden des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Bremen, Christopher Schulze und Alper Iseri, haben sich mit einem Dringlichkeitsschreiben zur Gasversorgung an Senatspräsident Andreas Bovenschulte gewandt.

Hintergrund sind die aktuell niedrigen Füllstände der Gasspeicher. In ihrem Brief verweisen die beiden Politiker darauf, dass nach Angaben des Statistischen Landesamtes 66,5 Prozent der Wohnungen im Land Bremen mit Gas beheizt werden. Zudem werde fast ein Drittel des industriellen Endenergieverbrauchs – konkret 15,32 von 52,22 Petajoule – durch Gas gedeckt. Der Füllstand des Gasspeichers Lesum liegt laut den BSW-Chefs derzeit nur noch bei rund zehn Prozent.

Schulze und Iseri äußern sich besorgt über diese Entwicklung. Sie wollten sicherstellen, dass Haushalte und Wirtschaft im Land Bremen ausreichend versorgt sind. „Die Bremer müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Heizungen warm bleiben und dass in den Betrieben das Licht weiter brennt“, so Schulze.

In insgesamt sieben Themenkomplexen bitten die BSW-Politiker den Senat um Auskunft. Unter anderem wollen sie wissen, ob der Senat eine mögliche Gasmangellage für realistisch hält oder die Versorgung, wie von einem Sprecher des Energieversorgers SWB erklärt, als gesichert betrachtet. Zudem fragen sie nach konkreten Vorsorgemaßnahmen, Risikoanalysen für Szenarien wie Kältewellen oder Lieferausfälle sowie nach bestehenden Notfall- und Priorisierungsplänen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Absicherung der sogenannten kritischen Infrastruktur, darunter Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Polizei, Feuerwehr sowie die Wasser- und

Energieversorgung. Darüber hinaus erkundigt sich das BSW nach der Abhängigkeit Bremens von niedersächsischen Speichern und überregionaler Infrastruktur sowie nach der Rolle des Netzbetreibers Wesernetz bei der operativen Vorsorge.

Alper Iseri: „Versorgungssicherheit gehört zur staatlichen Daseinsvorsorge. Verantwortungsvolle Politik muss das Risiko einer Gasmangellage im Blick haben und frühzeitig gegensteuern. Davon sehen wir bisher nichts.“

Der Senat ist nun aufgefordert, bis zum 5. März 2026 schriftlich Stellung zu nehmen.

Die Anfrage an den Senat wurde am 24.02.2026 per E-Mail und per Einschreiben versendet (Sendungsnummer A0 0616 33DB 00 0000 004C).

 

Die Anfrage im Wortlaut:

Versorgungssicherheit mit Gas im Land Bremen

Vorsorge des Senats bei historisch niedrigen Speicherfüllständen

Sehr geehrter Herr Bovenschulte,

noch nie waren die Füllstände der deutschen Gasspeicher so niedrig wie heute. Für Bremen ist diese Situation besonders heikel, denn die Privathaushalte und die Industrie in unserem Bundesland sind enorm von Gas als Energieträger abhängig.

66,5 Prozent aller Wohnungen im Land Bremen mit Gas beheizt, schreibt das statistische Landesamt. Der Energieverbrauch unserer Industrie wird nahezu zu einem Drittel mit Gas gedeckt (15,32 von 52,22 PJ des gesamten Endenergieverbrauchs).

Bremen steuert auf eine Gasmangellage zu, denn die Speicher des bundesweiten Fernleitungsnetztes sind nahezu leer. Der Füllstand des Bremer Gasspeichers Lesum liegt nur noch bei 10 Prozent (Stand 23.02.2026). Bei den Speichern im niedersächsischen Umland sieht es nicht besser aus.

Werden die Gasspeicher nicht unverzüglich wieder aufgefüllt, drohen bei einer erneuten Kältewelle Rationierung und Abschaltung der Industrie. Diese Katastrophe gilt es abzuwenden.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie um Auskunft:

  1. Erkennt der Senat an, dass sich Bremen auf eine Gasmangellage zubewegt oder folgt der Senat der Aussage eines SWB-Sprechers, dass die Gasversorgung gesichert sei (https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/bremen-gas-gasspeicher-swb-verbrauch-vorrat-100.html)?
  2. Welche konkreten Schritte hat der Senat ergriffen, um die Versorgung der Haushalte, kritischen Infrastruktur und Wirtschaft im Land Bremen mit Gas sicherzustellen?
  3. Liegen dem Senat Risikoanalysen (z.B. Szenarien „Kältewelle“, „Lieferausfall“, „Störung oder Engpass im Leitungsnetz“) vor und welche Schlussfolgerungen zieht der Senat daraus?
    1. Sind diese Analysen öffentlich zugänglich? Wenn nein, warum nicht?
  4. Gibt es für den Fall einer Gasmangellage bzw. Alarmstufe/Notfallstufe im Land Bremen einsatzfähige Notfall- und Priorisierungspläne?
    1. Wenn ja, welche Stufen sind vorgesehen (z.B. Apelle, Einsparmaßnahmen, Abschaltungen, Rationierung)?
    2. Wie würde die Abschaltung und Rationierung konkret erfolgen (Sektoren, Verbrauchergruppen, Netzgebieten, Tageszeiten)?
    3. Welche Gremien entscheiden darüber?
    4. Wie wird die kritische Infrastruktur (Krankenhäuser, Pflege, Feuerwehr, Polizei, Wasser/Abwasser, Stromerzeugung, Häfen/Logistik) abgesichert?
    5. Sind diese Pläne öffentlich einsehbar? Wenn nein, warum nicht?
  5. Welche Maßnahmen hat der Senat präventiv ergriffen, um eine Gasmangellage für das Land Bremen abzuwenden (z.B. Vereinbarungen mit Netzbetreibern, Lieferanten, Notstrom und -wärmekonzepte)?
  6. In welchem Umfang ist Bremen bei der Versorgungssicherheit nach Kenntnis des Senats abhängig von niedersächsischen Gasspeichern und überregionaler Infrastruktur und welche Absprachen beziehungsweise Koordination besteht hierzu mit Niedersachsen und den zuständigen Stellen auf Bundesebene?
  7. Welche Rolle spielt der lokale Netzbetreiber (wesernetz) in der operativen Vorsorge und wie wird die politische Steuerung und Koordination zwischen Senat, Behörden und Netzversorgungsunternehmen sichergestellt?

Wir bitten um schriftliche Antwort bis zum 5. März 2026 und soweit möglich, um Beifügung oder Benennung der zugrundeliegenden Konzepte und Zuständigkeiten.

Auch interessant

28 Juni

BSW fordert Vollgas bei Trinkwasserbrunnen

Aktuelles – „Die Koalition nimmt den Hitzeschutz nicht ernst“ Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Bremen fordert den Senat auf, den Ausbau öffentlicher Trinkwasserbrunnen zu beschleunigen. Nach Angaben des Senats sollen in diesem Jahr fünf weitere Trinkwasserspender entstehen. Ende des Jahres wären damit 29 öffentliche Trinkwasserstellen in Betrieb. Langfristig sind 80 Brunnen geplant. Für die BSW-Landeschefs Christopher Schulze…

11 Juni

Wurden Bremer Schulen zum Spitzeln gegen Schülerproteste aufgefordert?

Aktuelles – In Brandenburg hat das Bildungsministerium ein Schreiben des Verfassungsschutzes an die Schulleitungen weitergeleitet, in denen vor der Instrumenalisierung von Schülerprotesten gegen die Wehrpflicht gewarnt wurde. Die dortige BSW-Fraktion hat scharf kritisiert, dass Schülerinnen und Schüler pauschal unter Extremismus-Verdacht gestellt und so eingeschüchtert werden sollen. Wir vom BSW Bremen wollen wissen: Gab es solche Vorgänge auch…

08 Juni

Förderung statt Kredit: Unser Vorschlag zum Heizungswechsel in Bremen

Aktuelles – „Bremen will günstige Kredite für Heizungswechsel anbieten.“ So titelt Radio Bremen’s butenundbinnen am 05.06.2026 und meint damit das jüngste Kreditförderprogramm der Bremer Bürgerschaft, mit dem die Heizungs- und Energiewende in Bremen voran getrieben werden soll. Was positiv klingt ist bei näherer Betrachtung leider ein Verteuerungs-Programm für die Zielgruppe: Vermieter:innen und Hauseigentümer:innen, die mangels eigener Mittel…

29 Mai

Bremer Jobcenter verschwendet 600.000 Euro für „Kreativraum“

Aktuelles – Pressemitteilung Das Bremer Jobcenter hat laut einem Bericht des Weser-Kurier einen „Kreativraum“ mit Designermöbeln für 600.000 Euro für seine Angestellten errichtet Dazu sagt Christopher Schulze, Landesvorsitzender des BSW Bremen: „Das ist an Dekadenz kaum zu überbieten. Während bei Kinder- und Jugendeinrichtungen gespart wird und für viele wichtige Projekte angeblich das Geld fehlt, wirft das Jobcenter…

  • 28 Juni BSW fordert Vollgas bei Trinkwasserbrunnen

    Aktuelles „Die Koalition nimmt den Hitzeschutz nicht ernst“ Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Bremen fordert den Senat auf, den Ausbau öffentlicher Trinkwasserbrunnen zu beschleunigen. Nach Angaben des Senats sollen in diesem Jahr fünf weitere Trinkwasserspender entstehen. Ende des Jahres wären damit 29 öffentliche Trinkwasserstellen in Betrieb. Langfristig sind 80 Brunnen geplant. Für die BSW-Landeschefs Christopher Schulze…

  • 11 Juni Wurden Bremer Schulen zum Spitzeln gegen Schülerproteste aufgefordert?

    Aktuelles In Brandenburg hat das Bildungsministerium ein Schreiben des Verfassungsschutzes an die Schulleitungen weitergeleitet, in denen vor der Instrumenalisierung von Schülerprotesten gegen die Wehrpflicht gewarnt wurde. Die dortige BSW-Fraktion hat scharf kritisiert, dass Schülerinnen und Schüler pauschal unter Extremismus-Verdacht gestellt und so eingeschüchtert werden sollen. Wir vom BSW Bremen wollen wissen: Gab es solche Vorgänge auch…

  • 08 Juni Förderung statt Kredit: Unser Vorschlag zum Heizungswechsel in Bremen

    Aktuelles „Bremen will günstige Kredite für Heizungswechsel anbieten.“ So titelt Radio Bremen’s butenundbinnen am 05.06.2026 und meint damit das jüngste Kreditförderprogramm der Bremer Bürgerschaft, mit dem die Heizungs- und Energiewende in Bremen voran getrieben werden soll. Was positiv klingt ist bei näherer Betrachtung leider ein Verteuerungs-Programm für die Zielgruppe: Vermieter:innen und Hauseigentümer:innen, die mangels eigener Mittel…

  • 29 Mai Bremer Jobcenter verschwendet 600.000 Euro für „Kreativraum“

    Aktuelles Pressemitteilung Das Bremer Jobcenter hat laut einem Bericht des Weser-Kurier einen „Kreativraum“ mit Designermöbeln für 600.000 Euro für seine Angestellten errichtet Dazu sagt Christopher Schulze, Landesvorsitzender des BSW Bremen: „Das ist an Dekadenz kaum zu überbieten. Während bei Kinder- und Jugendeinrichtungen gespart wird und für viele wichtige Projekte angeblich das Geld fehlt, wirft das Jobcenter…

Sie haben Fragen?

Welche inhaltlichen Positionen vertritt die neue Partei? Wie kann ich das BSW unterstützen? Wie kann ich Unterstützer oder Förderer werden und was ist der Unterschied? Sicher haben Sie viele Fragen. Wir haben versucht, einen Großteil Ihrer möglichen Fragen zu beantworten und leiten Sie hierzu auf die Website der Bundespartei weiter.

Zu den FAQ