Schönrednerei im Fischereihafen: Die vermeintliche Bremerhaven-Offensive kaschiert einen bundesweiten bildungspolitischen Offenbarungseid
,Mit warmen Worten und maritimer Kulisse hat Schuldezernent Hauke Hilz (FDP) am vergangenen Freitag im Fischereihafen die neuen Referendarinnen und Referendare für die Schulen in Bremerhaven. Die offizielle Sprachregelung der Bildungsbehörde feiert den Zuwachs als strategischen Erfolg zur Bekämpfung des akuten Lehrermangels in der Seestadt. Doch hinter den Kulissen der Willkommenskultur verbirgt sich eine besorgniserregende Realität: Das Land Bremen fährt seine ohnehin unzureichende Ausbildungskapazität drastisch zurück und verlagert das hausgemachte Mangelproblem lediglich von einem Brennpunkt zum nächsten.
Die heute verkündeten Zahlen offenbaren bei genauem Hinsehen keinen Grund zur Freude, sondern ein bildungspolitisches Alarmsignal.
Der bittere Kern der Zahlen: Kahlschlag statt Ausbildungsoffensive
Während der Zuwachs an Referendaren in Bremerhaven als Erfolg verkauft wird, bricht die Gesamtstatistik des Landes ein. Mit nur noch rund 180 Neueinstellungen im gesamten Bundesland verzeichnet Bremen einen massiven Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als noch über 230 Nachwuchskräfte eingestellt wurden. Mitten im schwersten Lehrermangel der Nachkriegsgeschichte bildet das Land Bremen also weniger Lehramtsanwärter aus als zuvor. Dass Bremerhaven in diesem schrumpfenden System prozentual mehr Köpfe abbekommt, ist kein Erfolg aktiver Rekrutierung, sondern eine bloße Mangelverwaltung
.
Verpflichtende Zwangsversetzungen: Das Eingeständnis des Scheiterns
Wie tief das System in der Krise steckt, zeigt die kaum verdeckte Drohung von Bildungssenator Mark Rackles (SPD). Dass die Behörde laut darüber nachdenkt, Lehrkräfte künftig verpflichtend an Schulen mit großer Personalnot zu schicken, ist die endgültige Bankrotterklärung einer freiwilligen und attraktiven Personalsteuerung. Eine solche Zwangsverwaltung droht die ohnehin strapazierte Attraktivität des Lehrerberufs im kleinsten Bundesland vollends zu zerstören und den Abzug junger Lehrkräfte in das personell weitaus besser aufgestellte Umland zu beschleunigen.
Strukturelle Unzulänglichkeiten, die verschwiegen wurden:
- Das ungelöste Regional-Gefälle: Die Umverteilung kaschiert das tiefe strukturelle Loch. Während Bremen-Stadt Bewerber ablehnen musste, blieben in Bremerhaven zum Schulstart über 100 Stellen unbesetzt. Das Aufstocken von Referendaren löst das Problem unbesetzter Vollzeitstellen im Hier und Jetzt nicht.
- Unterfinanzierung zementiert den letzten Platz: Der Bremer Haushalt krankt im Stadtstaaten-Vergleich massiv. Während Berlin über 13.000 Euro und Hamburg rund 11.700 Euro pro Schüler investieren, hinkt Bremen mit rund 9.600 Euro meilenweit hinterher. Mit diesem Sparkurs lassen sich weder Schulen sanieren noch die miserablen Ergebnisse des **IQB-Bildungstrends (Platz 16 aller Bundesländer)**korrigieren.
- Mangelverwaltung durch unfertiges Personal: Da voll ausgebildete Kräfte fehlen, füllt Bremen seine Lücken in Statistiken seit Jahren mit unfertigen Lehramtsstudierenden ohne Abschluss auf. Dass nun auch noch die regulären Ausbildungsplätze für Referendare von 230 auf 180 sinken, entzieht der Unterrichtsqualität langfristig das dringend benötigte Fundament.
Christopher Schulze: „Der Empfang im Fischereihafen produziert schöne Bilder. Er produziert aber keine einzige zusätzliche Lehrkraft. Mitten im Lehrermangel weniger Nachwuchs auszubilden und gleichzeitig über Zwangsversetzungen nachzudenken, ist doch ein Offenbarungseid. Wer junge Lehrer nach Bremen holen will, muss den Beruf attraktiver machen und darf sie nicht mit Zwangsmaßnahmen abschrecken.“
Alper Iseri: „Den Lehrermangel von Bremen nach Bremerhaven und wieder zurück zu verschieben, löst kein einziges Problem. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass beide Städte genügend gut ausgebildete Lehrer bekommen. Dazu gehören mehr Ausbildungsplätze, bessere Arbeitsbedingungen und eine Finanzierung, die sich an erfolgreichen Stadtstaaten wie Hamburg orientiert. Bremen darf sich beim Thema Bildung nicht länger mit dem letzten Platz abfinden.“
Presse-Check:
Die Pressemitteilung wurde an folgende Medien gesendet:
Diese Pressemitteilung wurde versendet an:
Weser Kurier - bisher nicht veröffentlicht
Weserreport - bisher nicht veröffentlicht
Nordseezeitung - bisher nicht veröffentlich
Bild Bremen - bisher nicht veräffentlicht
Das BLV - bisher nicht veröffentlicht
Radio Bremen - bisher nicht veröffentlicht
Kreiszeitung - bisher nicht veröffentlicht
Bild Bremen - bisher nicht veröffentlicht
NDR - bisher nicht veröffentlicht
dpa- bisher nicht veröffentlicht
epd - bisher nicht veröffentlicht
Taz Bremen - bisher nicht veröffentlicht
Sat1 Bremen - bisher nicht veröffentlicht